Warum wir hier sind

Wir sind nicht hierhergekommen,
um einander gefangen zu nehmen,
sondern, um uns noch tiefer
der Freiheit und der Freude zu ergeben.

Wir sind nicht in diese wunderbare Welt gekommen,
um uns fern der Liebe als Geiseln zu halten.
Lauf mein Liebstes, lauf allen davon,
die spitze Messer in deine zarten Träume,
in dein edles, heiliges Herz stoßen wollen.

Uns ist es aufgegeben, uns mit den Stimmen
der inneren Berufung zu befreunden,
die da draußen vor dem Haus unserem Geist zurufen:
„Ach bitte, bitte komm heraus und spiel mit uns!“

Denn wir sind nicht hierhergekommen,
um einander gefangen zu nehmen
oder unsere wunderbaren Seelen einzuschließen,
sondern, um immer tiefer zu erleben,
was in uns göttlich ist
MUT, FREIHEIT, Licht!

(Shams-Ud-Din Muhammad Hafiz zugeschrieben)

Ode an meinen Küchentisch

Mein Küchentisch,
der alte Kumpel, ist in die Jahre gekommen.
Geschwungenene Waden,
blau lackiert,
trägt heute kein Tisch mehr –
und auch seine Platte
ist alt, zerkratzt und mächtig lädiert.

Die Stelle beim Astloch trägt dunkel Flecken
daneben ein Herz,
von Kinderhand geritzt –
auch eine Jahreszahl mit krummen Schwingen
verblasst ihren Sinn
in einer der Ecken.

Stolz trägt das Möbel
seine Lebensringe,
dunkle Ränder von rotem Wein
auch Narben von Messern sind seine Spuren
was soll’s –
hier darf jeder Prinzessin
oder Krieger sein.

Mein Tisch ist ein Dichter,
ein Buch und treuer Gefährte
empfänglich für alles, was er trägt.
Ein Diener
mit starken Wurzeln von hohen Bäumen,
einer, der bei Brot und Früchten
das Leben seiner Meister hebt.

Ja, ich liebe mein Tischlein,
deck es mit meinen Liedern
dankbar zu.

Und um es zu ehren
in all seiner Pracht
hab ich soeben was ganz Verrücktes gemacht,
hab es bestiegen mit Strumpf und Schuh
und hoch droben versprochen,
ich geb nicht eher Ruh
bis viele auf Tische und Stühle steigen
um von dort sich noch tiefer zu verneigen….
endlich
vor sich selbst.


Oh Captain, my Captain!

In Erinnerung an Robin Williams und seinen wunderbaren Film „Club der toten Dichter“. Darin der Lehrer Mr. Keating: „Bis nächsten Montag schreiben Sie ein Gedicht und tragen es selber vor!“

Macht Freiheit Mittagspause?

„Hast du heute frei?“, fragt mich eine Bekannte im Bistro.
„Nein, nein“, entgegne ich zügig. „Mittagspause.“
***
Das ist doch alles vollkommen verrückt mit der Freiheit, denke ich.
Vor mir der Teller. Mit einem Rand. 
Frei haben? Irre. Das ergibt keinen Sinn.
Frei sein. Wie geht das?
„Bist du wirklich bereit für die Freiheit?“, fragt eine innere Stimme.
Und meint mich.
Ich spüre Grenzen.
In mir.
Und löffle meine Suppe weiter.
Arbeit.
In der Mittagspause.

*

Kernkraft.

Kernkraft. Ein so wunderbares Wort.
Und so verwundet.
Störfall. Schmerz. Tränen.
Und doch:
KernKraft.
Wie sie bebt. Wie sie lebt, alles hebt.
KernKraft in mir und in dir.
So heilig. So mächtig. So schön.
Schweigen.
Verneigen.
Und immer weiter steigen….
KernKraft: Was für ein Wunder, sagt das Wort.

ich mag es
wie du die stirn
runzelst
in meinem schoß
liegt dein kopf
nachdenklich über
den tag
wie ein tautropfen legt sich
dein atem
in das nest
zwischen meinen beinen
baust du eine höhle
warm und feucht
kommt die nacht über
deine stirn ist
jetzt ganz weich

an das du (für éva und steve, 2002)
du
ich hänge
an deiner liebe
und mich schließlich
an ihr auf
mit einem schwur
der ewig webt
zwischen uns
du
ich werde aus
diesem band
ein herz legen
und doch birgt
jede form auch schon
die schlinge
du
ich verliere den boden
unter den füßen
und während ich
an dir
zu grunde gehe
taucht irgendwo
ein licht
auf