Die Spinnerinnen kommen

Gerade neu im Sanddorn-Verlag erschienen: Band 1.

Puhhh! Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll. Ich möchte dir von einem Buch erzählen und noch viel lieber möchte ich dir von Menschen erzählen, deren Erfahrungen, Wünsche, Träume und Reisen dir in diesem Buch begegnen werden und am allerliebsten möchte ich dir von Annette erzählen, einem der verrücktesten Weibsbilder, dem ich je begegnet bin. Verrückt im Sinne von geradlinig und wahrhaftig: schön, wild, weise, bienenfleißig und zuverlässig. Ohne Annette gäbe es das Buch nicht, von dem ich dir heute erzählen möchte. Anders: Weil es Annette gibt, gibt es seit letztem Vollmond ein Buch mehr in der reichen Weltenbibliothek. Und weil es das Buch gibt, schreibe ich diese Zeilen, die du jetzt liest. Und weil du meine Zeilen liest, wird etwas geschehen. Du wirst sehen. Die Geschichte geht nämlich weiter. Sie kann gar nicht enden, weil alles miteinander verwoben ist. Genau davon kündet dieses Buch. Es heißt: Die Spinner:innen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, ein Netzt voller Geschichten und Bilder. Ich verspreche dir: Wenn du eintauchst, wirst du bezaubert, belesen, bewundert und beseelt. Klingt dir zu abgehoben? Ok, warte, dann lass mich dir zunächst etwas zu Annette erzählen. Etwas, das sicher gut erdet.

Annette und ich haben uns per „Zufall“ kennengelernt. So hieß ein Magazin, das Wirtschaft und Spiritualität zu verbinden sich zur Aufgabe gemacht hatte. Ich leitete das Autorenteam, Annette war unsere Grafikerin. Das war 2012. Ein Jahr später gingen wir gemeinsam auf Wanderschaft. Wir trafen uns auf einer Alm im Kleinwalsertal mit anderen Gleichgesinnten zu einem Seminar. Naturverbundenheit, Körperarbeit, Satsang und gemeinsames Kochen standen im Mittelpunkt. Die Woche stand übrigens streng unter dem Motto: Go vegan! Und so erinnere ich mich, dass wir eines Nachmittags nach mehrstündiger Bergwanderung eine Rast einlegten, mit 20 Leuten in eine Berghütte einfielen, sich alle über Kräutertee und Gemüsesuppe hermachten und Annette erstmal heiße Würstchen mit Senf bestellte.

Nein, Angepasstsein ist nicht ihr’s. Sie nennt es „das Monster“. Ebenso die Erwartung an andere, die oft unausgesprochen bleibt, unterschwellig wirkt und manipuliert. „Das ist Gift!“, sagt die wilde schöne Geschichtenerzählerin  mit den riesigen Adler-Schwingen als Tattoo über ihrem Herzen. Fragst du sie danach, antwortet Annette mit einem Lied: Fly…

„Mit dieser Melodie bekommt mein Adler auf der Brust seine Flügel“, summt Annette . In einem Hotel in Istanbul sind die beiden 1978 buchstäblich schon einmal rausgeflogen. Ist lange her. Damals waren Tattoos, gerade bei Frauen, noch `ne harte Nummer.

„Aber das war mir scheiß egal“, erinnert sie sich. „Ich lieb meinen Adler! Der trägt mich! Und er hat `ne saumäßige Kraft!“

Annette webt und filzt auch individuelle Geschichten-Tücher.

Die pulsiert auch in Annette. Eine kraftvolle Mischung aus immer währendem Forschergeist, dem Willen zum Tun, schonungsloser Offenheit, Gauklerei und Spielfreude. Die Liebe zu ihren beiden Hunden, zu Bäumen, Steinen, Bergen, Seen, Sonne, Mond und ihrer roten Clownsnase ist ihre Medizin. Trägt Annette ihr weites Herz auf der Zunge, kann’s schon mal herzhaft rotzig werden. Für Scheinheiligkeit hat sie nur eines übrig: Verachtung.

Hier kommt mir eine weitere amüsante Erinnerung in den Sinn. Hin und wieder gab es auf unseren Wanderungen Menschen, die meinten, mit Feen und Elfen in Kontakt zu sein. Annette rollte dann gern mal mit ihren braunen Augen. Heute schmunzelt sie darüber. „Ja, ich hatte so etwas wie eine Engel-Allergie“, gibt sie lachend zu. „Ich entschuldige mich ganz offiziell bei allen Engeln, Feen und Elfen. Der Kontakt zum kleinen Volk ist eine sehr kostbare Sache.“

Mit einem Seminar auf Schloss Glarisegg  beginnen sich 2018 die Segel in Annettes Leben nochmal neu auszurichten. Wenige Monate später sitzt sie mit 30 anderen Frauen bei Susann Belz am Feuer, besucht vier Jahre deren Schule „Woman and Earth“.

Geschichtensammlerin mit Schweinskopf-Baumscheibe.

„Der Kreis ist die Lehrerin!“, lernt sie bei der bekannten Schamanin. Diese intensive Heil- und Bewusstseinsreise wirbelt vieles auf. Jetzt beginnen auch ihre Spirits verstärkt zu ihr zu sprechen. Annette trommelt, singt, filzt, feuert, flammt, schreit, lacht, weint, sucht und findet. „In vielen meiner Reisen mit der Absicht, zu erforschen, was meine Seelenaufgabe ist, bekam ich als Antwort, ich solle einen Ritualplatz richten, ein großes Netz spinnen. Ich richtete und schmückte einen Platz in meinem Garten, ich spann und webte ein großes Netz über den Platz, aber meine Spirits wollten mehr.“

Die Idee zu einer eigenen Internetseite nistete sich in ihrem (Sp)-Inneren ein. Als Gestalterin für Print und Webdesign schlug dazu ihr Herz selbstbewusst und immer wilder. „Außerdem hatte ich große Lust, Menschen und ihre Schätze zusammenzuführen. Nur Miteinander kann etwas Neues entstehen.“ Das war die Vision. (Einen eigenen Verlag hatte sie bereits 2009 mit ihrem Mann Peter Indergand gegründet.)

So entstand das Spinnerinnen-Netzwerk. Schau mal hier: http://www.spinnerinnen.ch

Ich erinnere mich noch gut an die helle Freude meiner Freundin zur Wintersonnenwende 2020. Am 21. Dezember ging Annettes Web-Seite begleitet von einer einmaligen Jupiter-Saturn-Konjunktion, Lagerfeuer und Trommelschlägen feierlich an den Start. Bei der Taufe (damals nur online möglich) waren Menschen aus Deutschland und der Schweiz dabei. Seither wächst diese Plattform, bietet Raum für Austausch, altes und neues Wissen, Seelennahrung, Heilendes, Schräges, Kunst, Handwerk, Naturverbundenes, Kreatives.

Und vor wenigen Tagen nun eine erneute Geburt. Das Weltenlicht fällt auf ein Buch: blutrot und leuchtend sein Einband. Damit nicht zu übersehen. Das Bild auf dem Cover erinnert an Schoßkraft, Wildheit, heilige Geometrie, Instinkt, Feuer und Anderswelt. Viele Begebenheiten, Zufälle und Synchronizitäten haben dabei der Künstlerin Brigitte Meßmer in die Hände gespielt. Das Bild spricht Bände. In Band 1 haben zunächst sechszehn Spinner:innen ihre Geschichten eingewebt: Heilerinnen, Botschafterinnen, Königinnen, Amazonen, Mütter, Töchter, Geliebte. Fünfzehn Frauen und ein Mann.

Ursula Walser-Biffiger schreibt in ihrem Klappentext: „Schräg, unkonventionell und undogmatisch, sachlich und humorvoll, leichtfüßig und tiefsinnig öffnen sich auch Themen wie Sexualität und das Mysterium der Seele. Da geht es sowohl um das Ureigene als auch um das Große Ganze. Auch darum geht es in diesem Buch: Werden und Vergehen, Aufbruch und Innehalten, Fülle und Leere, Licht und Dunkelheit. Dieser jahreszeitliche Rhythmus ist ein Spiegel für unseren eigenen Lebensweg – im Äußeren wie auch im Inneren. Die Natur ist unsere beste Lehrmeisterin und wir erfahren: mit Wurzelkraft kann Vertrauen gewonnen, können lebensbejahende Perspektiven entwickelt und im Alltag umgesetzt werden.“

Ich mag das Buch. Es liegt seit Stunden in meinem Schoß. Manchmal streichel ich seine Seiten, bin berührt und lächele. Sein Lesebändchen wandert wie ein roter Faden durch die Seiten. Es sind auch die verschiedenen Seiten meiner Seele.

Ja, ich empfehle es von Herzen. Vor allem euch, meinen mutigen irdischen Schwestern!

Es wird euch erinnern. Die Reise hat längst begonnen. Weben wir ein großes Netz. Eines, das trägt.

Buchbestellung über http://www.sanddorn-verlag.ch

Dimensionstore

 Was sich in den letzten Jahren häuft, sind Botschaften, die mich meist in den frühen Morgenstunden erreichen. Ich nenne es „Botschaften“, weil ich einen Unterschied zu dem wahrnehme, was ich Traum nennen würde. Diese Botschaften sind oft kurz und geladen und ich rufe sie offenbar, um mich selbst zu beeindrucken.

Sie kommen nicht im Tiefschlaf, sondern meiner Ansicht nach in einem Zustand zwischen Schlaf- und Wachbewusstsein, denn ich weiß meist, dass ich schlafe und gleich erwachen werde. Auch bewerte ich oft noch im Halbschlaf, dass das abgefahren ist, was ich da übermittelt bekomme, ich es gern festhalten und noch weiter „anschauen“ und vertiefen möchte. Aber in dem Moment ist klar, dass es vorbei ist. Ich kenne das schon, versuche mich dann zu entspannen und so zu tun als ob es mir egal ist, um es zu verlängern – klappt aber nicht. Die Botschaft ist durch. Ich erwache dann gänzlich und muss auf’s Klo oder so. Was ich so sehr liebe, sind nicht nur die ungewohnt intensiven  inneren Bilder, sondern ein sehr mächtiges Gefühl von „Einsicht“, das mich erfasst.

Eine merk-würdige Einsicht hatte ich kürzlich in der Nacht vom 10. zum 11. August 2022. Ich sah vor meinem geistigen Auge plötzlich  so etwas wie riesige Bahnen oder Rillen in Spiralform. Sie pulsierten und zogen mich magisch wie  in ihren Bann. Es fühlte sich galaktisch an, fremd und vertraut zugleich. Wie eine neue Dimension, aber nicht unangenehm. Ich kam nicht richtig rein, sah alles wie von außen, hatte aber die Vorstellung, dass es Umlaufbahnen sein könnten. Daran erinnerte mich diese Schau. Es hatte etwas Kosmisches – da mir plötzlich klar wurde, dass  das Muster, was sich mir dort offenbarte, das stark vergrößerte Abbild meines eigenen Daumenabdruckes war. Diese Rillen….die sich zur Mitte hin wie verengten, fast zu Wurmlöchern oder Dimensionstoren wurden. Wohl sind die Prints auf unseren menschlichen Kuppen vergessene und lang versiegelte Umlaufbahnen. Ja, mir sollte in jener Nacht aufgehen, dass es da einen Zusammenhang gibt – zwischen den feinen zarten Rillen auf meinen Fingern, denen ich kaum Aufmerksamkeit schenke  und dem großen und Ganzen, was wir immer  „da draußen“ vermuten. Wir tragen nicht nur die Abdrücke des verlorenen Schlüssels immer bei uns. Wir sind die Schlüssel selbst: Zum Inneren. Zur Bibliothek. Zum Ursprung.

V-Ergebung

Seit Tagen begleitet mich das Thema Vergebung. Begleitet mich natürlich schon länger. Doch diesmal wurde es gekrönt von einem Traum. In diesem Traum war die Erfahrung, einem Menschen, dem ich einmal sehr nahe war, zu vergeben – und er vergab mir – so intensiv spürbar, dass es eine Befreiung auslöste, die ich nicht wirklich zu beschreiben vermag.

Dieses Gefühl zu diesem Menschen in meiner nächtlichen Begegnung war so zart, so unaufgeregt schön und still, dass ich nach dem Erwachen ganz davon erfüllt war. Dieser Friede war ungewohnt. Und so wollte ich ständig daran denken und musste mich aus alter Gewohnheit gleichzeitig selbst disziplinierten, es nicht allzu oft zu tun, aus Furcht, dass dieser Friede sich mit jedem Abrufen aus der Innerlichkeit verflüchtigen könnte. (Was für ein krasser Glaubenssatz übrigens!)  Ja, mich besetzte eine Enge, die mir einredete, dass sich durch das „Darandenken“ das wahrhaftige Gefühl, dass ich so unfassbar konkret wahrnehmen konnte in jener Nacht,  abnutzen könnte. Dennoch war ich wie süchtig, mich zu erinnern.

Immer wieder habe in den Tagen darauf und vor allem vor dem Schlafengehen inne gehalten, um – fast heimlich vor mir selbst –  in eben dieses Selbst zu horchen. Ob es bitte bitte noch in mir wächst: dieses  lebendige Fühlen von unendlicher ungebundener Liebe zu allem was meine/unsere irdische Geschichte war und ist. Ganz egal, wie weh wir uns einst getan haben während all unserer Erfahrungen als herabgestiegene mutige Erdwesen. Alle war gut und gesegnet in jenem Moment. Ich muss weinen. …. denn es war so köstlich, so wahrhaftig – dass mehr ein großes Schweigen seiner Kraft gerecht wird. Und wie immer beginnt genau hier das Dilemma: Will ich es halten, fliegt es davon!

Wisst ihr, diese Membran der Liebe um mich und diesen Menschen war so fein, so wie ein Hauch von Nichts und doch so mächtig, dass Trennung keinen Platz mehr hatte. Ich bin nicht sicher, ob es die Energie von Vergebung war. Ich nenne es so, weil der Begriff in meiner Vorstellung dem einfach am nächsten kommt. Wenn oft noch Schmerz, Traurigkeit, Wut und Dunkelheit das Fühlen bannen…..  und plötzlich ist da nur noch Leichtigkeit und Licht und Wärme. Ist das Vergebung? Ich weiß es nicht.  In jedem Falle Gnade. Erlösung.  Frieden. Freude.

Am Morgen, als ich nach dieser Heil-Begegnung langsam wieder in mein Tagesbewusstsein rutschte, hallte mein Traum-Raum noch einige Stunden empfindsam nach. Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe (etwa drei Tage sind vergangen), scheint alles endgültig in den Kopf-Speicher gerutscht zu sein. Ich weiß zwar, in diesem parallelen Traumuniversum war es wahr, unfassbar rein und friedlich, doch ich fühle es hier und jetzt nicht mehr unmittelbar. Kennt ihr das? Diese Reinheit im Fühlen ist wie verwischt und verwunschen. Die Dunkelheit nähert sich wieder meinem Schwert.

Nur noch mein Kopf hält diese Erinnerung fest. Meine Händen schreiben, wollen behüten mit dem Wort das Unaussprechliche. Tränen laufen. Manifest.

Und mein Herz? —- „Es hat alles wieder gänzlich freigegeben“, flüstert eine innere Stimme. „Denn: Alle guten Dinge sind frei.

Hörst du, Liebes: Unaufhaltsam. Frei.“

Meisterschaft

Eine Gemeinde machte sich große Sorgen um ihren Rabbi. Der alte Meister verschwand seit einiger Zeit immer genau zu Beginn des Schabbats aus der Synagoge. Die einen befürchteten, er hätte seine Pflichten vergessen, die anderen erinnerten die übrigen Gemeindemitglieder daran, wie bekannt der Rabbi für seine Heiligkeit war und dass er wahrscheinlich regelmäßig verschwand, um in den Himmel aufzusteigen. Vielleicht traf er dort sogar den heiligen Elija persönlich und bat darum, von den Gebrechen seines Alters verschont zu bleiben. Um letzte Gewissheit zu bekommen, beschlossen die Gemeindemitglieder eines Tages, einen Spion einzusetzen. Dieser sollte dem alten Rabbi folgen und herausfinden, wohin er jeden Schabbatabend ging. 

Der Tag kam, und kaum waren die Schabbatkerzen gelöscht worden, verließ der Alte die Synagoge. Er schlich sich die Straße hinunter, durchquerte auf einem steinigen Weg den Wald und stieg dann mühsam einen Berg hinauf in Richtung einer kleinen Hütte. Der Spion, der ihm unbemerkt folgte, sah den Rabbi kurz anklopfen, um dann im Inneren zu verschwinden. Der Spion näherte sich der Hütte und erkannte im schwachen Licht eines fast niedergebrannten Feuers den Umriss des Rabbis durch das Fenster. Er drückte sich in der Dunkelheit an die Hauswand, schob sich langsam unter das Fenster und blickte dann vorsichtig ins Innere der Hütte. Was er sah, hätte er sich in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können: Auf einem Strohsack am Boden lag eine Frau, die ganz offensichtlich nicht zur Gemeinde gehörte. Eine „Heidin“. Sie war sehr dünn, ihr Gesicht war fahl, und das Atmen schien ihr schwerzufallen. Als Erstes fegte der Rabbi den Fußboden des Raums. Dann holte er Holz und entfachte das Feuer wieder. Anschließend holte er frisches Wasser vom Brunnen hinter dem Haus. Und letztlich kochte er der Frau einen großen Kessel Suppe und stellte ihn neben ihre Schlafstatt. Das genügte dem Spion. Er rannte den Berg hinunter, durch den kleinen Wald, zurück in den Ort, wo die Gemeindemitglieder bereits gespannt auf ihn warteten. »Was hast du gesehen? Ist unser Rabbi tatsächlich in den Himmel gegangen?«, fragte man ihn. In manchen Stimmen schwang dabei Hoffnung mit, in anderen hörte man Verachtung. Der Spion zögerte kurz mit seiner Antwort, dann sagte er: »Euer Rabbi ist nicht in den Himmel gegangen. Er ist um einiges höher gestiegen.« 

(Jüdische Erzählung)
Mit Dank an Dieter Miunzke https://miunske.org

Lockdown-Kreativität

Für mich ist es in diesen anstrengenden Zeiten wunderbar beruhigend mit Naturmaterialien zu arbeiten. Es erdet mich, wenn mir beim Werkeln zu Hause der Geruch des Waldes in Nase steigt. Kein Waldspaziergang ohne volle Taschen. Ob Zapfen, Zweige, Blütenstände oder Moos – alles wird in meiner kleinen Kreativwerkstatt (Wohnzimmertisch 😁)  in Vasen, Schalen oder Tüten arrangiert und kombiniert. Ob im eigenen Garten, im Deister oder im nahen Stadtwald Eilenriede, überall entdecke ich wahre Schätze. Auf unserem Balkon stapelt sich buntes Laub neben Rindenstücken, Wurzeln und Beeren. Oft bin ich so im Flow und kann meine Hände nicht ruhen lassen. Dann träume ich nachts von Ideen und werkel fast wie getrieben schon morgens um 8 Uhr zu Croissant und Frühstückskaffee. (*Zeit* Die wenigen Vorteile des Lockdowns.)

Manchmal krabbelt noch ein Käfer aus dem Moos über den Tisch, der dann auf den Balkon ausgesetzt wird. (Ich staune oft, wie lebendig selbst totes Holz oft noch ist. Da verstecken sich jede Menge Bewohner.)

Etwas mit eigenen Händen zu schaffen, sich kreativ zu betätigen hat eine heilende Wirkung auf mich. Ob ich mit dem Fotoapparat unterwegs bin, mit Farben experimentiere, Leinwände bekleckere oder als Gärtnerin in Erde wühle…… es entsteht ein immer ähnlich gutes Gefühl. Ich fühle mich dann mit mir selbst verbunden, konzentriert im Geist, gleichzeitig ein wenig aufgescheucht und chaotisch und doch gelassen, weit und frei. Eine krasse Kombi. Schwer in Worte zu fassen. Vielleicht fühlen sich so Schöpfer/innen beim Üben.

Meine Lieblings-Bastel-Pflanze im Herbst/Winter ist übrigens die Amaryllis. Welch ein kraftvolles Wunder, wenn diese Pflanzen von einer unsichtbaren Kraft getrieben ihre fleischigen grünen Stengel aus der Knolle schieben und Tag für Tag in aller Stille in die Höhe wachsen, um schließlich wunderschöne Blüten zu entfalten. Mich fasziniert diese Transformation von  der unscheinbaren langweiligen Knolle zu einer wahren Blüten-Queen.

Übrigens: Die ersten Amaryllis stammen wahrscheinlich aus Brasilien. Die Pflanze wurde erstmals um das Jahr 1800 in Europa kultiviert, der Name der Pflanze ist dem altgriechischen Wort „amarusso“ entlehnt, das sich mit funkeln, strahlen übersetzen lässt.

An dieser Stelle übrigens ein herzliches Dankeschön nach Österreich an meinen Lieblingskanal #11a90%. Dort tanke ich regelmäßig Creatives- Bewusst-Sein. Wer mag, schaut dort mal vorbei: 

https://www.youtube.com/channel/UCuMvVY0LbUjqCLm7YOEbDjw

 

Dankbarkeit

Gerade fühle ich eine machtvolle berührende Dankbarkeit. Das Leben ist ein Mysterium. Ich bin so dankbar für seine Höhen und Tiefen und für die Menschen, die meinen Weg weiten, durchlichten, verdunkeln, verengen, enttäuschen, bereichern, nähren und begleiten. Jeder ist wertvoll. Dankbar bin ich vor allem für meine Freunde. Jene, die mir sehr sehr nah sind und jene, die immer mal wieder zum richtigen Zeitpunkt in meinem Leben auf- und wieder abtauchen, wenn ich sie rufe… oder auch nicht. Ich erkenne die Vollkommenheit. Auch wenn ich diese Sicht nicht halten kann, alles fließt… Gerade jetzt, im Raum der Dankbarkeit, ist auch die Unvollkommenheit wundervoll. Danke, an jene, die mit mir immer wieder um Werte ringen, laut und leise – die sich nicht scheuen, Fehler zu machen und sie auch zugeben können. Großartige Menschen machen großartige Fehler, die uns und anderen ermöglichen zu wachsen, zu lernen und zu verzeihen. Danke an jene, die mit mir über Wellen surfen, steile Kurven nehmen, die mit mir witzeln und lachen, 2016-01-28 19.54.39verzweifeln, weinen, fallen, wieder aufstehen… die mich halten und mich halten lassen. Mensch, der du an meiner Seite dieses unglaubliche Leben atmest… Ich verneige mich vor dir! WIR sind hier und jetzt. 

Warum wir hier sind

Wir sind nicht hierhergekommen,
um einander gefangen zu nehmen,
sondern, um uns noch tiefer
der Freiheit und der Freude zu ergeben.

Wir sind nicht in diese wunderbare Welt gekommen,
um uns fern der Liebe als Geiseln zu halten.
Lauf mein Liebstes, lauf allen davon,
die spitze Messer in deine zarten Träume,
in dein edles, heiliges Herz stoßen wollen.

Uns ist es aufgegeben, uns mit den Stimmen
der inneren Berufung zu befreunden,
die da draußen vor dem Haus unserem Geist zurufen:
„Ach bitte, bitte komm heraus und spiel mit uns!“

Denn wir sind nicht hierhergekommen,
um einander gefangen zu nehmen
oder unsere wunderbaren Seelen einzuschließen,
sondern, um immer tiefer zu erleben,
was in uns göttlich ist
MUT, FREIHEIT, Licht!

(Shams-Ud-Din Muhammad Hafiz zugeschrieben)

Neue Nachbarn: Flüchtlinge

Das Leben von Bernd Schulz hat sich verändert. Sein Dorf auch. Seit Wochen lebt der Rentner mit Flüchtlingen zusammen – Tür an Tür mit Menschen aus der Ukraine, Syrien und Albanien. Sein Fazit: „Es ist lebendiger geworden.“ Der 66-Jährige geht offen mit der neuen Situation um. „Irgendwer braucht immer irgendwas“, erzählt er und kramt in seinem Werkzeug-Fundus. Ehefrau Margrit schüttelt hin und wieder liebevoll den Kopf. Ihr Mann hilft, wo er kann, blüht förmlich auf, weil es ihm gut tut, gebraucht zu werden. Erst kürzlich hat er zusammen mit den Ukrainern Blumen gepflanzt.

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Bernd Schulz. Der Rentner unterstützt die neuen Nachbarn.

„Die drehen ja sonst durch, wenn die nichts zu tun haben“, sagt Schulz. Mitten im Arbeitseinsatz ist er zu Netto gefahren und hat Getränke für alle besorgt. Von seiner schmalen Rente. „Mit einem vernünftigen Wort und einem Handschlag kann man vieles regeln“, sagt der engagierte Rentner. „Ja, wir persönlich kommen mit den neuen Nachbarn gut klar“, bestätigt seine Frau. „Manchmal mache ich mir Sorgen“, gibt die 64-Jährige zu. „Nicht jeder im Dorf mag die Fremden. Und es kommen immer mehr Flüchtlinge.“ „Stimmt“, bestätigt Roy Rietentidt. Der 47-Jährige ist Sozialarbeiter und hilft jenen, die Asyl suchen im Nordwesten. Der Landkreis hat ihn im März angestellt. „Seitdem rauche ich mehr“, sagt Roy, der nicht selten bis an die Grenzen der Belastbarkeit geht. „Mehr Flüchtlinge, mehr Zigaretten“, kommentiert er in seiner humorigen Art. Auch Bernd Schulz kennt er. Hin und wieder tauschen sich die beiden aus. „Ich bin wirklich stolz auf die Unterstützung vieler Nordwestmecklenburger“, erklärt Rietentidt. Sein Handy blinkt und klingelt unentwegt. „Wenn du in diesem Job nicht die Ruhe bewahrst, hast du echt verloren“, kommentiert der Wismarer den Dauerstress. Erst kürzlich sind Groß Stieten 24 weitere syrische Kriegsflüchtlinge zugewiesen worden. „Diese Zuweisung kam so plötzlich, dass die Wohnungen noch nicht mal fertig sind“, erklärt Roy Rietentidt das Chaos am Tag X.

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Menschen und Papier. In diesem Falle sind Listen hilfreich. Mohamad schaut, in welcher Etage er wohnt.

Noch während Handwerker und Möbelmonteure Waschmaschinen und Herde in den Block schleppen, kommt ein Bus aus Horst (Landkreis Ludwiglust/Parchim), dem Erstaufnahmelager für Asylbewerber und Flüchtlinge in MV, an. Männer, Frauen und Kinder mit Plastiktüten und Rucksäcken müssen erstmal auf Rasen und Bordsteinkante Platz nehmen. Einem Syrer geht es nicht gut. In einem nahegelegenen Waldstück muss der Mann sich erstmal übergeben. „Gib acht, dass du dich nicht ansteckst“, mahnt daraufhin Roy Rietentidt seine Kollegin Anni Vincenz. Beide bleiben professionell und gelassen. Routine. Mittels Listen werden Zimmer verteilt. „Ohne Listen läuft gar nichts“, lacht Rietentidt. Eine der Prioritäten: „Kurden nicht mit Moslems zusammen. Dinge, die man mit der Zeit lernt.“  Roy Rietentidt hat mittlerweile einen geschulten Blick. „Zwei der Neuankömmlinge sind schwer traumatisiert“, sagt er. „Das sehe ich an den Augen.“

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Willkommenskultur! Die kleine Ruzha aus Syrien spricht mit Roy die Blumensprache.

Der Mann liebt seine Arbeit. „Sie ist anspruchsvoll und zeitaufwendig, aber für mich auch die Chance, meinen Beitrag zu leisten, dass in Deutschland Wärme und Geborgenheit gegeben werden.“ Klar, auch etliche Probleme sieht der Sozialarbeiter. Als einer, der täglich an der Basis wirkt, ist er für absolute Transparenz. „Wir müssen uns gegenseitig zuhören und offen miteinander reden“, plädiert der Profi-Helfer. „Es geht jetzt nur zusammen.“

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Aufeinander zugehen!

Sein größter Zorn? „Was mich wirklich ankotzt, sind einige Deutsche, die Asylbewerber dafür verantwortlich machen, dass es anderen Deutschen hierzulande schlecht geht. Im Fernsehen gibt es diese Serie „Die Auswanderer!“. Deutsche suchen ihr Glück im Ausland! Und umgekehrt?! Eine miese Moral die einige haben!Ich schäme mich für solche Aussagen! Glaubt mir, auch diese Menschen, die auf der Flucht sind, haben hart gearbeitet.“

Was ihn motiviert: „Es sind die Menschen – lachende Kinder aus Syrien oder die herzhafte Umarmung von einem Moslem, der gerade seine Anerkennung bekommen hat.“
Und noch etwas brennt dem Sozialarbeiter auf der Seele: „Ich bin oft beeindruckt und bewegt davon, dass diese Menschen von dem Wenigen, was sie haben, noch gern etwas abgeben! Die Herzlichkeit und Dankbarkeit beschämen mich oftmals, da ich nicht zufrieden bin. Viel zu oft muss ich mit dem Gefühl leben, dass ich zu wenig Zeit für sie und ihre Geschichten habe!“

 

Kunst & Klo

Kunst im Klohäuschen. Diese schräge Kombi gibt es auf der Ostseeinsel Poel. Dort hat sich Anne Karpa am Schwarzen Busch, einem Urlauberparadies, in ein leerstehendes Toilettenhäuschen verliebt. Die Gemeinde hatte den verwaisten Schandfleck zur Pacht ausgeschrieben. Mit der Bitte, die „großen und kleinen Geschäfte“ doch künftig mit kreativen Ideen zu begleiten. Platz gibt’s in dem Flachbau, der unmittelbar an einem einsamen Strandaufgang liegt, ausreichend.  „Ich fand die Idee lustig“, erzählt Anne Karpa. Sie bekommt den Zuschlag und gründet das KloBauerKollektiv. Zum Kern der Truppe gehören Christiane Gregorowius, Keramikerin aus Dambeck sowie Janna Skroblin, Bühnenbildnerin und Puppenbauerin aus Alt Farpen. Auch andere Künstler und Kunsthandwerker aus der Region Nordwestmecklenburg sind durch temporäre Ausstellungen vertreten. „Die letzte Saison lief super an“, erzählt Anne Karpa glücklich. „Die Menschen, die zu uns finden, kommen oft ganz zufällig vorbei. Wir liegen ja etwas ab vom Trubel. Umso großer ist die Freude, wenn sie bei uns individuelle Stücke finden, die sie als Andenken mit nach Hause nehmen können“, so die Töpferin aus Madsow. Das Gästebuch in der Klobauter-Oase strotzt vor dankbaren und fröhlich Einträgen. „Ein Super-Klo!“ steht da zum Beispiel in feinen Lettern geschrieben. „Da macht es sogar Spaß, auf die Toilette zu gehen“, schreibt ein anderer. Viele Feriengäste versprechen wiederzukommen. Dabei geht es weniger um die crazy Toiletten in DDR-Charme, die sich in einem Teil des Gebäudes befinden,  als vielmehr um die feinen Töpferarbeiten und Kreativ-Kurse, die Anne Karpa „nebenbei“ anbietet. Mit ganz viel Herzblut. „Zwar liegt der eigentliche Saisonstart im Juni noch in einiger Ferne, doch am 14./15. März öffnet die Töpfer- und Kreativwerkstatt erstmals in diesem Jahr ihre Pforten. Anne Karpa lädt wie viele andere Werkstätten im Land zum „Tag der offenen Töpferei“ ein.  Wellenrauschen und Möwengeschrei sind gratis. Die Toilettenbenutzung kostet 50 Cent.