Dankbarkeit

Gerade fühle ich eine machtvolle berührende Dankbarkeit. Das Leben ist ein Mysterium. Ich bin so dankbar für seine Höhen und Tiefen und für die Menschen, die meinen Weg weiten, durchlichten, verdunkeln, verengen, enttäuschen, bereichern, nähren und begleiten. Jeder ist wertvoll. Dankbar bin ich vor allem für meine Freunde. Jene, die mir sehr sehr nah sind und jene, die immer mal wieder zum richtigen Zeitpunkt in meinem Leben auf- und wieder abtauchen, wenn ich sie rufe… oder auch nicht. Ich erkenne die Vollkommenheit. Auch wenn ich diese Sicht nicht halten kann, alles fließt… Gerade jetzt, im Raum der Dankbarkeit, ist auch die Unvollkommenheit wundervoll. Danke, an jene, die mit mir immer wieder um Werte ringen, laut und leise – die sich nicht scheuen, Fehler zu machen und sie auch zugeben können. Großartige Menschen machen großartige Fehler, die uns und anderen ermöglichen zu wachsen, zu lernen und zu verzeihen. Danke an jene, die mit mir über Wellen surfen, steile Kurven nehmen, die mit mir witzeln und lachen, 2016-01-28 19.54.39verzweifeln, weinen, fallen, wieder aufstehen… die mich halten und mich halten lassen. Mensch, der du an meiner Seite dieses unglaubliche Leben atmest… Ich verneige mich vor dir! WIR sind hier und jetzt. 

Warum wir hier sind

Wir sind nicht hierhergekommen,
um einander gefangen zu nehmen,
sondern, um uns noch tiefer
der Freiheit und der Freude zu ergeben.

Wir sind nicht in diese wunderbare Welt gekommen,
um uns fern der Liebe als Geiseln zu halten.
Lauf mein Liebstes, lauf allen davon,
die spitze Messer in deine zarten Träume,
in dein edles, heiliges Herz stoßen wollen.

Uns ist es aufgegeben, uns mit den Stimmen
der inneren Berufung zu befreunden,
die da draußen vor dem Haus unserem Geist zurufen:
„Ach bitte, bitte komm heraus und spiel mit uns!“

Denn wir sind nicht hierhergekommen,
um einander gefangen zu nehmen
oder unsere wunderbaren Seelen einzuschließen,
sondern, um immer tiefer zu erleben,
was in uns göttlich ist
MUT, FREIHEIT, Licht!

(Shams-Ud-Din Muhammad Hafiz zugeschrieben)

Neue Nachbarn: Flüchtlinge

Das Leben von Bernd Schulz hat sich verändert. Sein Dorf auch. Seit Wochen lebt der Rentner mit Flüchtlingen zusammen – Tür an Tür mit Menschen aus der Ukraine, Syrien und Albanien. Sein Fazit: „Es ist lebendiger geworden.“ Der 66-Jährige geht offen mit der neuen Situation um. „Irgendwer braucht immer irgendwas“, erzählt er und kramt in seinem Werkzeug-Fundus. Ehefrau Margrit schüttelt hin und wieder liebevoll den Kopf. Ihr Mann hilft, wo er kann, blüht förmlich auf, weil es ihm gut tut, gebraucht zu werden. Erst kürzlich hat er zusammen mit den Ukrainern Blumen gepflanzt.

IMG_6832

Bernd Schulz. Der Rentner unterstützt die neuen Nachbarn.

„Die drehen ja sonst durch, wenn die nichts zu tun haben“, sagt Schulz. Mitten im Arbeitseinsatz ist er zu Netto gefahren und hat Getränke für alle besorgt. Von seiner schmalen Rente. „Mit einem vernünftigen Wort und einem Handschlag kann man vieles regeln“, sagt der engagierte Rentner. „Ja, wir persönlich kommen mit den neuen Nachbarn gut klar“, bestätigt seine Frau. „Manchmal mache ich mir Sorgen“, gibt die 64-Jährige zu. „Nicht jeder im Dorf mag die Fremden. Und es kommen immer mehr Flüchtlinge.“ „Stimmt“, bestätigt Roy Rietentidt. Der 47-Jährige ist Sozialarbeiter und hilft jenen, die Asyl suchen im Nordwesten. Der Landkreis hat ihn im März angestellt. „Seitdem rauche ich mehr“, sagt Roy, der nicht selten bis an die Grenzen der Belastbarkeit geht. „Mehr Flüchtlinge, mehr Zigaretten“, kommentiert er in seiner humorigen Art. Auch Bernd Schulz kennt er. Hin und wieder tauschen sich die beiden aus. „Ich bin wirklich stolz auf die Unterstützung vieler Nordwestmecklenburger“, erklärt Rietentidt. Sein Handy blinkt und klingelt unentwegt. „Wenn du in diesem Job nicht die Ruhe bewahrst, hast du echt verloren“, kommentiert der Wismarer den Dauerstress. Erst kürzlich sind Groß Stieten 24 weitere syrische Kriegsflüchtlinge zugewiesen worden. „Diese Zuweisung kam so plötzlich, dass die Wohnungen noch nicht mal fertig sind“, erklärt Roy Rietentidt das Chaos am Tag X.

IMG_6891

Menschen und Papier. In diesem Falle sind Listen hilfreich. Mohamad schaut, in welcher Etage er wohnt.

Noch während Handwerker und Möbelmonteure Waschmaschinen und Herde in den Block schleppen, kommt ein Bus aus Horst (Landkreis Ludwiglust/Parchim), dem Erstaufnahmelager für Asylbewerber und Flüchtlinge in MV, an. Männer, Frauen und Kinder mit Plastiktüten und Rucksäcken müssen erstmal auf Rasen und Bordsteinkante Platz nehmen. Einem Syrer geht es nicht gut. In einem nahegelegenen Waldstück muss der Mann sich erstmal übergeben. „Gib acht, dass du dich nicht ansteckst“, mahnt daraufhin Roy Rietentidt seine Kollegin Anni Vincenz. Beide bleiben professionell und gelassen. Routine. Mittels Listen werden Zimmer verteilt. „Ohne Listen läuft gar nichts“, lacht Rietentidt. Eine der Prioritäten: „Kurden nicht mit Moslems zusammen. Dinge, die man mit der Zeit lernt.“  Roy Rietentidt hat mittlerweile einen geschulten Blick. „Zwei der Neuankömmlinge sind schwer traumatisiert“, sagt er. „Das sehe ich an den Augen.“

IMG_6883

Willkommenskultur! Die kleine Ruzha aus Syrien spricht mit Roy die Blumensprache.

Der Mann liebt seine Arbeit. „Sie ist anspruchsvoll und zeitaufwendig, aber für mich auch die Chance, meinen Beitrag zu leisten, dass in Deutschland Wärme und Geborgenheit gegeben werden.“ Klar, auch etliche Probleme sieht der Sozialarbeiter. Als einer, der täglich an der Basis wirkt, ist er für absolute Transparenz. „Wir müssen uns gegenseitig zuhören und offen miteinander reden“, plädiert der Profi-Helfer. „Es geht jetzt nur zusammen.“

IMG_6843

Aufeinander zugehen!

Sein größter Zorn? „Was mich wirklich ankotzt, sind einige Deutsche, die Asylbewerber dafür verantwortlich machen, dass es anderen Deutschen hierzulande schlecht geht. Im Fernsehen gibt es diese Serie „Die Auswanderer!“. Deutsche suchen ihr Glück im Ausland! Und umgekehrt?! Eine miese Moral die einige haben!Ich schäme mich für solche Aussagen! Glaubt mir, auch diese Menschen, die auf der Flucht sind, haben hart gearbeitet.“

Was ihn motiviert: „Es sind die Menschen – lachende Kinder aus Syrien oder die herzhafte Umarmung von einem Moslem, der gerade seine Anerkennung bekommen hat.“
Und noch etwas brennt dem Sozialarbeiter auf der Seele: „Ich bin oft beeindruckt und bewegt davon, dass diese Menschen von dem Wenigen, was sie haben, noch gern etwas abgeben! Die Herzlichkeit und Dankbarkeit beschämen mich oftmals, da ich nicht zufrieden bin. Viel zu oft muss ich mit dem Gefühl leben, dass ich zu wenig Zeit für sie und ihre Geschichten habe!“

 

Kunst & Klo

Kunst im Klohäuschen. Diese schräge Kombi gibt es auf der Ostseeinsel Poel. Dort hat sich Anne Karpa am Schwarzen Busch, einem Urlauberparadies, in ein leerstehendes Toilettenhäuschen verliebt. Die Gemeinde hatte den verwaisten Schandfleck zur Pacht ausgeschrieben. Mit der Bitte, die „großen und kleinen Geschäfte“ doch künftig mit kreativen Ideen zu begleiten. Platz gibt’s in dem Flachbau, der unmittelbar an einem einsamen Strandaufgang liegt, ausreichend.  „Ich fand die Idee lustig“, erzählt Anne Karpa. Sie bekommt den Zuschlag und gründet das KloBauerKollektiv. Zum Kern der Truppe gehören Christiane Gregorowius, Keramikerin aus Dambeck sowie Janna Skroblin, Bühnenbildnerin und Puppenbauerin aus Alt Farpen. Auch andere Künstler und Kunsthandwerker aus der Region Nordwestmecklenburg sind durch temporäre Ausstellungen vertreten. „Die letzte Saison lief super an“, erzählt Anne Karpa glücklich. „Die Menschen, die zu uns finden, kommen oft ganz zufällig vorbei. Wir liegen ja etwas ab vom Trubel. Umso großer ist die Freude, wenn sie bei uns individuelle Stücke finden, die sie als Andenken mit nach Hause nehmen können“, so die Töpferin aus Madsow. Das Gästebuch in der Klobauter-Oase strotzt vor dankbaren und fröhlich Einträgen. „Ein Super-Klo!“ steht da zum Beispiel in feinen Lettern geschrieben. „Da macht es sogar Spaß, auf die Toilette zu gehen“, schreibt ein anderer. Viele Feriengäste versprechen wiederzukommen. Dabei geht es weniger um die crazy Toiletten in DDR-Charme, die sich in einem Teil des Gebäudes befinden,  als vielmehr um die feinen Töpferarbeiten und Kreativ-Kurse, die Anne Karpa „nebenbei“ anbietet. Mit ganz viel Herzblut. „Zwar liegt der eigentliche Saisonstart im Juni noch in einiger Ferne, doch am 14./15. März öffnet die Töpfer- und Kreativwerkstatt erstmals in diesem Jahr ihre Pforten. Anne Karpa lädt wie viele andere Werkstätten im Land zum „Tag der offenen Töpferei“ ein.  Wellenrauschen und Möwengeschrei sind gratis. Die Toilettenbenutzung kostet 50 Cent.

Kurzmitteilung

Von der Freude

Ich lese. Es ist still in meiner Wohnung. Aus dem Badezimmer dringt das Ticken einer Uhr, ab und zu knarrt der Stuhl, auf dem ich sitze. Ich schlürfe Kaffee. Plötzlich zwischen dem Umblättern der Seiten in meinem Buch ein leises feines Geräusch. Ganz nah. Ich kann es nicht zuordnen. Doch es bannt meine Aufmerksamkeit. Nochmal. Und dann sehe ich es: Von den Osterglocken auf meinem Küchentisch lösen sich die Schalen. Sie fallen…. Die Blüte kann sich entfalten. Dieses kleine feine Geräusch: FREUDE.

Voll im Fluss!

Das Sternberger Seenland ist eine der schönsten Landschaften Mecklenburg-Vorpommerns und bietet seinem Artenreichtum an Flora und Fauna ein atemberaubendes Zuhause. Gestern waren Rolf und ich auf Tour. Vom Wasserwanderrastplatz Weitendorf ging es durch das Warnow-Durchbruchstal. Unter blauem Himmel und auf einer abwechslungsreichen Strecke warteten blaue Prachtlibellen (die ich einfach nicht scharf vor die Linse bekommen habe), ein Eisvogel in der Ferne, Stromschnellen sowie Stein- und Baumhindernisse. In zahlreichen Flusswindungen ging es mit unserem Kanu durch unberührte Natur, Wälder, Wiesen und vorbei an bis zu 40 Meter hohe Steilhängen. Die Stille und Ursprünglichkeit auf dieser Strecke sind zauberhaft! Ich war noch nie mit dem Stechpaddel unterwegs, es war abenteuerlich, genüsslich und anstrengend. Rolf hat uns übrigens auch mehrmals vor einer „Kanu-Rolle“ gerettet. Fazit: Auf knapp 18 Kilometern nicht einmal gekentert!

Das idyllische Durchbruchstal.

Die Tour endete nach etwa vier Stunden vor den Stromschnellen am Wasserwanderrastplatz Eickhof. Beim der anschließenden Stärkung konnte ich dann ehrlich gesagt kaum noch das Glas heben… Dennoch: Prosit Warnow! Es war herrlich!