Ode an meinen Küchentisch

Mein Küchentisch,
der alte Kumpel, ist in die Jahre gekommen.
Geschwungenene Waden,
blau lackiert,
trägt heute kein Tisch mehr –
und auch seine Platte
ist alt, zerkratzt und mächtig lädiert.

Die Stelle beim Astloch trägt dunkel Flecken
daneben ein Herz,
von Kinderhand geritzt –
auch eine Jahreszahl mit krummen Schwingen
verblasst ihren Sinn
in einer der Ecken.

Stolz trägt das Möbel
seine Lebensringe,
dunkle Ränder von rotem Wein
auch Narben von Messern sind seine Spuren
was soll’s –
hier darf jeder Prinzessin
oder Krieger sein.

Mein Tisch ist ein Dichter,
ein Buch und treuer Gefährte
empfänglich für alles, was er trägt.
Ein Diener
mit starken Wurzeln von hohen Bäumen,
einer, der bei Brot und Früchten
das Leben seiner Meister hebt.

Ja, ich liebe mein Tischlein,
deck es mit meinen Liedern
dankbar zu.

Und um es zu ehren
in all seiner Pracht
hab ich soeben was ganz Verrücktes gemacht,
hab es bestiegen mit Strumpf und Schuh
und hoch droben versprochen,
ich geb nicht eher Ruh
bis viele auf Tische und Stühle steigen
um von dort sich noch tiefer zu verneigen….
endlich
vor sich selbst.


Oh Captain, my Captain!

In Erinnerung an Robin Williams und seinen wunderbaren Film „Club der toten Dichter“. Darin der Lehrer Mr. Keating: „Bis nächsten Montag schreiben Sie ein Gedicht und tragen es selber vor!“

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