Die Lösung

Wie heißt es so schön: Wenn der Schüler bereit ist, zeigt sich der Meister. Meine Tochter Caroline ist heute 22. Sie kam auf die Erde und in mein Leben, als sie es für richtig hielt. Dass ich an Kinder damals gar nicht dachte und täglich die Anti-Baby-Pille schluckte, hat sie nicht interessiert. Die Zeit war reif und ich mit 20 schwanger. Ihre Besonderheit hat mich immer inspiriert. Umgekehrt war es ähnlich. Und doch ganz anders. Als sie 16 war sagte Caroline einmal zu mir: „Ich bin echt froh, Mama, dass wir beide uns begegnet sind. Wir sind so verschieden. Leute wie du würden mir sonst echt viel mehr auf den Keks gehen…“
Als ich sie vor ein paar Tagen daran erinnere, schütten wir uns mal wieder aus vor lachen.
Die Lektionen an ihrer Seite haben mich geprägt. Einmal kam ich am Boden zerstört nach Hause. Ich heulte, da ich auf der Straße gerade für den Bau einer Umgehungsstraße unterschrieben hatte. Ich kannte die Initiatorin, die mir unverhofft erst die Petition unter die Nase gehalten und dann volle Kanne Honig ums Maul geschmiert hatte. Ich mochte die Frau, fand aber die Umgehungsstraße unnütz – und musste mich nun meiner eigenen Unaufrichtigkeit stellen. Ich hatte feige unterschrieben. Ein schreckliches Gefühl. Zu Hause saß Caroline, damals erst 5, sofort an meiner Seite. Sie hörte fasziniert zu, überlegte und präsentierte nach wenigen Sekunden strahlend eine Idee. „Geh zurück“, schlug sie offenherzig vor. Und dann sagst du der Frau, dass du es dir anders überlegt hast. Bestimmt gibt sie dir die Liste und dann streichst du deinen Namen mit einem dicken Filzstift einfach durch.“ Na prima. Ich heulte noch mehr. „Das trau ich mich nicht“, erklärte ich ihr. „Wenn ich mutig gewesen wäre, hätte ich ja gar nicht erst unterschrieben.“ Eine verfahrene Kiste. Doch Caroline verstand den Konflikt.  „Kein Problem, Mama“, meinte sie nach kurzem Überlegen, „dann suchen wir jetzt eine neue Liste – eine, auf der du gegen diese Straße unterschreiben kannst, die du nicht magst. Dann hebt sich das auf.“
Die besten Lösungen sind wahrhaftig einfach.
Was hindert uns, sie anzunehmen?
Wer Lösungen in sich trägt, bindet sich nicht an Urteile.
Er sucht Möglichkeiten der Versöhnung.
Hier entsteht Mut.
Ich habe gute Lehrer.
Danke.

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