Der Andersmacher

Heini Staudinger.

Meine persönlichen Fragen an Heini Staudinger, Visionär, Gemeinwohlökonom, Unternehmer und Gründer des erfolgreichen Schuh- und Möbelunternehmens GEA im Waldviertel, Österreich. Im Laufe unseres Gespräches zitiert Heini ein Rilke-Gedicht. So berührend, dass mir, während er spricht, die Tränen laufen. Ist mir noch nie passiert bei einem Telefon-Interview. Ich muss kurz unterbrechen, um mich zu fangen – so tief bin ich innerlich von seinen Worten bewegt. Auch aus diesem Grunde ein unvergessliches Erlebnis. (Das Interview erschien im ZUFALL – Das Wirtschaftsmagazin mit Herz., Ausgabe April/Mai 2012)

Wofür ist die Zeit reif?
Heini: Ich glaube, unabhängig von allen Zeiten gibt es für das Hier und Jetzt auf unserer Lebensreise immer eine Chance. Allgemein wünsche ich mir in dieser Zeit, dass der Wahnsinn zu Ende geht – dieser den Menschen und die Natur verachtende Konsum-Unsinn.
Wie stellst du dir den Unternehmer des ausgehenden 21. Jahrhunderts vor?
Heini: Ein guter Unternehmer schaut, dass es der Firma insgesamt gut geht, dass sie Teil eines größeren Ganzen ist. Er ist sich bewusst, dass es wichtigere Werte als Geld gibt.
Was tust du am liebsten mit deinem Geld?
Heini: Für mich ist es ein Luxus, dass ich vor etwa neun Jahren mein Privatgeld aufgegeben habe. Ich habe kein privates Konto, kein Sparbuch. Wenn ich etwas Geld brauche, dann gehe ich ins Geschäft, nehme etwas Geld aus der Kasse und lege einen Zettel mit „Danke, Heini!“ zurück. Das Teuerste, was ich mir in letzter Zeit geleistet habe, war meine Brille. Das ist cool, dass ich dafür Geld habe, denn ich lese gern.
Woran misst du Erfolg bei dir und anderen Menschen?
Heini: Erfolg ist für mich, wenn gemeinsam etwas glückt. Und dazu gehören Gemeinschaftsfähigkeit, Nicht-Verzagtheit und die Fähigkeit zum Mutmachen.
Vor welcher Leistung deiner Mitmenschen hast du den größten Respekt?
Heini: Wenn jemand in seinem Denken und Handeln gar nicht mehr den eigenen Vorteil sucht.
Wie bleibst du deinen Prinzipien treu?
Heini: Mit einem bescheiden gestalteten Alltag… Für mich ist es eine große Hilfe, dass ich das mit dem Privatgeld aufgegeben habe. Wenn kein vordergründiges Interesse mehr besteht, das Privatvermögen zu vermehren,  ist es wesentlich einfacher, sich ehrlich zu fragen, was hier und jetzt einen Sinn macht.
Dein Rat an Menschen, der hilft, das Leben besser zu meistern…
Heini: Ich habe fünf Thesen für Mutige: 1. auf die innere Stimme hören; 2. Naivität, das heißt, beim ersten Schritt nicht zu hoffen, das Ziel schon zu kennen; 3. fürchte dich nicht vor dem Alleinsein; 4. frage dich, was dich abhält, das zu tun, was du schon immer tun wolltest und 5. Spring, bitte! Dazu ein Rilke-Gedicht:
Der Panther.
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe/
so müd geworden, dass er nichts mehr hält./
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe/
und hinter tausend Stäben keine Welt./
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,/
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,/
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,/
in der betäubt ein großer Wille steht./
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille/
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,/
geht durch der Glieder angespannte Stille/
und hört im Herzen auf zu sein.
Dieses Gedicht trug mein Freund Reinhold bei sich als er sich 1980 das Leben nahm. Reinholds Botschaft an die Lebenden wäre wohl gewesen: Spring! Spring über die Stäbe. Aus der Kraft der Mitte. Spring, bitte!

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