Steffen am Meer

Steffen und ich waren heute am Meer. Ich hatte es ihm bei unserem ersten Treffen ja spontan angeboten. Wir waren auf der Insel Poel und als das Wasser in Sicht kam, meinte er: „Puh! Jetzt fängt mein Herz an zu bubbern…“
Wie schön! Denn eigentlich wollte sich Steffen hier das Leben nehmen. Es kam alles anders. (Die Geschichte findet ihr auch hier auf meinem Block.) Er hat jetzt eine eigene Wohnung. Noch vollkommen leer. Irgendwie trostlos. Es fehlt an allem. Das Campingbett auf dem er schläft, macht ihn wahnsinnig. „Viel zu weich! Ich brauche unbedingt ein hartes Bett“, hat er mir heute verzweifelt erzählt. Und alles sei so still. „Mir fehlen die Geräusche, das Vogelgezwitscher.“
Zehn Jahre auf der Straße – die Umgewöhnung fällt schwer. Er fragt mich bei meinem Besuch, wie die Gegensprechanlage überhaupt funktioniert, welcher Knopf für was? Wir haben heute viel gelacht. Vor unserem Ostsee-Trip waren wir noch bei einer Frau M. am Ostseeblick, die sich auf meinen Artikel über Steffens Schicksal in der OZ gemeldet hat. Sie hatte Handtücher, Bettwäche und sehr hübsche Sammeltassen für Steffen bereit gelegt. Über die Sammeltassen mit Goldrand haben wir echt gekichert. Steffen: „Da glaubt mir doch jetzt keiner mehr, dass ich ein Obdachloser bin…“ Frau M. spendierte auch noch eine Bratpfanne. Sie hielt Steffen dann einen Vortrag, dass dies eine besondere Pfanne sei und man darin nicht mit Messer und Gabel kratzen darf. „Teflon“, mische ich mich ein. Steffen schaut entgeistert. Und da holt Frau M. aus der Küche einen Holzlöffel, den sie noch obendrauf packt. „So. Der ist auch noch für sie. Den können Sie nehmen. Da bleibt die Pfanne heil.“  Steffen schenkt der netten hilfsbereiten Dame am Schluss eine Umarmung. Sie kommt uns dann sogar noch einmal bis zum Auto hinterhergelaufen und bietet ein Salatbesteck an. Steffen bedankt sich sehr höflich und erklärt, dass er ja noch keine Schüssel habe… für den Salat.
Das Leben ist kurios. Und bunt. Und wirklich unübertroffen einmalig.

Ein paar Momente braucht Steffen ganz für sich.

Kindheitserinnerungen…..

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